Und dann Indien

Und dann Indien

5. November 2019 0 Von Jasmin

Im Hostel an der Wand steht geschrieben, man sollte sich nicht so viele Gedanken machen und stattdessen seinem Herzen folgen, denn dieses kennt den Weg!So geht es mir hier. Es ist ganz egal was andere sagen, ganz egal was irgendwo geschrieben steht, jeder hat ein anderes Empfinden für gewisse Dinge und muss selbst herausfinden wo hin es einen zieht!

Ein erster kurzer, aber authentischer Bericht über drei Tage in einem Land voller Farben und Gerüche, in einer Stadt geprägt von Chaos, einer unglaublichen Geräuschkulisse und Dreck.

Aber besonders von sehr hilfsbereiten, offenen und freundlichen Menschen.

Delhi

Nachdem wir uns alle im Hostel einfinden, etwas einrichten und zwei Stündchen schlafen, machen wir uns auf zur ersten Erkundungstour. Es geht durch überfüllte Straßen, mit lautem Gehupe und sehr speziellen Fahrweisen. Ein komplett neuer Eindruck. Aber ich fühle mich gut. Dieses Unterwegssein, da ist es wieder. Mit all seinen Gefühlen von Spannung, Freude und Ungewissheiten- einfach herrlich!

 

Ein Tempel mit Lichtspielen, am Abend, ganz in der Nähe, ist die Empfehlung und da sich der Ankunftstag schon dem späten Nachmittag nähert, soll dies das erste Highlight sein. Zu Fuß, ein bisschen Bewegung ist nach der Anreise gar nicht schlecht, geht es gute zwei Kilometer durch die Gassen Delhis zum Akshardham Tempel.

Nachdem immer wieder gefragt wird wo es hin geht, ob wir nicht Autorikscha fahren wollen, ist das Ziel erreicht.

Völlig überlaufen und in einem Getümmel von Einheimischen geht es mit dem Strom immer weiter. Taschen, Handys und Kameras dürfen nicht verwendete werden und wir geben dieses an einem dafür vorgesehenen Schalter ab.

Von außen sieht man unzählige Menschen und Zäune, kann den Tempel nur erahnen. Doch sobald wir die Sicherheitsvorkehrungen durchlaufen, erstreckt sich vor uns eine wunderschöne Anlage mit einem pompösen Hauptgebäude. Ich kann gar nicht in Worten beschreiben wie schön dieser Anblick ist. Der hinduistische Akshardham Tempel ist offiziell seit 2005 zugänglich und besitzt einen Mix aus Architekturstilen aus ganz Indien. Er besteht komplett aus rotem Sandstein und Marmor. Die aufwändig geschnitzten Figuren stellen Gottheiten, Musiker, Tänzer, Fauna und Flora dar. Viele verschiedene Funktionen bietet die heilige Stätte, unter anderen gibt es ein Theater, welches Delhis erste und einzige großformatige Leinwand Besitz. Auch kann eine Bootsfahrt gemacht werden, die sozusagen mit einer 12 minütigen Reise durch Indiens10000 jährige, rumreiche Geschichte führt. Des weitere beherbergt die Anlage Indiens größten Stufenbrunnen und auch der Garten, gesäumt von Skulpturen, trägt zur Kultur und Geschichte des Landes bei.

Der Weg zurück ging fix mit der Autorikscha und die erste Nacht  brachte den wohlverdienten Schlaf.

Ein gemeinsames Frühstück im Hostel am nächsten morgen, erste Befindlichkeitsbesprechung und etwas Planung später ging es mit der Metro zum ersten ausgewählten Stopp, den Lodi Gärten, welcher viele beherbergt.

Ein wunderschöner Ort voller Ruhe und weitläufigem Gelände, mit einer Fläche von  360000 m². Teilweise kann man hier Paare beobachten oder Eltern beim Spielen mit ihren Kindern. Wunderschöne Blumen und zahlreiche architektonische Werke des 15 Jahrhunderts, schmücken diesen Park, der ein gutes Beispiel für die Kombination aus hinduistischem und islamischen Baustil bietet.

Nachgesagt, dass man als  Europäer in einem Land wie Indien auffällt und angeschaut wird, dass ist nichts ungewöhnliches. Die ersten Berührungspunkte erleben wir schon.

    

Ein 20 minütigen Fußmarsch später stehen wir vor dem  Mausoleum von Safdarjung. Dieses Werk ist einer der letzen großen Bauten der Mogul-Architektur in Indien. Die Errichtung knüpft an die früheren Bauten des Humayun- Mausoleums und das Aka-Mausoleum an und die Fertigstellung der Grabstätte dauerte mehrere Jahre, noch lange bevor der Perser Mirza Muqim Abul Mansur Khan im Jahre 1754 verstarb, wurde mit der Errichtung begonnen. Diese Schönheit lässt sich nicht beschreiben. Wie gemalt erstreckt sich vor uns ein traumhaftes, palastartiges Gemäuer, welches oft als „letztes Aufleuchten der Mogul-Architektur“ bezeichnet wird. Und nachfolgende Herrscher oder hohe Staatsbeamte waren nicht mehr in der Lage, sich ein derartig aufwendiges Grabmal zu leisten

 

                   

 

Auch hier ist es erstaunlich ruhig und nur wenige Einheimische besuchen diesen Ort… Für  uns als Einstieg ideal.

Der Tag zieht so dahin und ein weiteres Ziel, für mich das Schönste an diesem Tag, ist der Bangla Sahib Tempel. Der ehemalige Bungalow eines indischen Herrschers ist an der goldenen Kuppel und dem hohen Fahnenmast zu erkennen. Eins der bekanntesten Gotteshäuser in Delhi. Die Verbindung mit dem achten Guru ist das ausprägenste Merkmal, da er bei seinem Aufenthalt in Delhi (1664) in diesem Tempel wohnte und durch seine Hilfe bekamen die Armen  frisches Wasser aus dem Brunnen und erfuhren so etwas Hoffnung in der  Zeit der Pocken und Chohla Epidemie. Das Wasser in dieser Tempelanlage wird als heiliges Wasser angesehen und überall auf der ganzen Welt von den Siks verehrt. Den Glauben so alltäglich wie möglich zu gestalten, hart und aufrichtig zu arbeiten oder auch mit anderen teilen, sind ganz groß zusammengefasst die wesentlichen Grundgedanken.

Dieses Teilen war ganz deutlich spürbar, aber zu erst einmal ziehen wir  Schuhe aus und geben sie ab, bekommen eine Kopfbedeckung und dürfen im Inneren des Tempels, wo ein großer, goldener Buddha in dem Eingangsbereich hervorsticht, keine Fotoaufnahmen machen.

Vor dem Betreten steigt man durch ein Wasserbad und bekommt erklärt, dass die Hände während des Durchganges gefaltet zu halten sind.

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Barfuß durch die Heiligen Hallen zu laufen gibt mir ein so wohliges Gefühl. Die Teilnahme an dem Gebet, mit all den schönen Klängen und hingebungsvollen Menschen lässt meinen Köper durchströmen, eine richtige Gänsehautstimmung.

   

Doch was dieses Erlebnis so besonders macht ist das gemeinsame Abendessen. Wir besichtigen die Küche und im Anschluss geht es in eine große Halle, in der lange Teppiche liegen, so dass man sich zum gemeinsamen Essen versammelt.

Die Stimmung ist, obwohl es voll und laut ist, sehr freundlich. Die Essensausgabe erfolgt zügig aber ohne Stress und ein großes Gemeinschaftsgefühl macht sich in mir breit. Obwohl man auffällt und somit eindeutig nicht dazugehört, fühle ich in diesem Moment das Gegenteil. Teil von der Gemeinschaft zu sein, in welche man so herzlich aufgenommen wird und alle einem hilfsbereit und über freundlich, manchmal die Männer etwas aufdringlich, entgegentreten. Mir fehlen Worte um dieses Erlebnis nur ansatzweise zu beschreiben. Ich kann nur sagen, der Tag war perfekt. Ein prima Start und macht Lust auf mehr, denn so glücklich und zufrieden, richtig selig, habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

 

   

Nach einer sehr kurzen Nacht geht es wieder weiter. Die Denkmalstätte Qutb Minar, ein wirkliche bezaubernder Ort, nur leider viel zu voll, lässt einen spüren, wenn man bei diesem fünfstöckigen Turm steht, wie klein man doch ist. dies ist ein Sieges- und Wachturm in Delhi. Qutb Dinar zählt zu den höchsten Turmbauten der islamischen Welt und gilt als frühes Meisterwerk der indo-islamischen Architektur. Der Sieges- und Wachturm ist seit guten 15 Jahren als  Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt.

wir stehen davon nund fragen uns , ob der Turm bestigen werden kann. bis 1981 war dies möglich, doch eine Besteigung ist für Besucher nicht mehr erlaubt, nachdem bei einem Stromausfall und einer nachfolgenden Massenpanik 45 Menschen ums Leben kamen.

Wir sind die Stars in dem Menschengewusel und bekommen schon am Eingang einen Vorgeschmack. Gibt es doch eine Touristen Schlange, auf welche allerdings keine Rücksicht von den Landsleuten genommen wird, doch wir werden durchgewunden (zahlen auch einen viel hören Preis an Eintrittsgeld) und schon nach ersten Bildern gefragt…

Mit dem Uber erreichen wir Humayuns Mausoleum,die Anlage ist riesig. Der Grabbau von Nasiruddin Muhammad Humayun (1508–1556), dem zweiten Herrscher des Großmogulreiches von Indien, dauerte acht Jahre und wurde von seiner Frau nicht nur angeordnet sondern mit wachsamen Augen, teilweise auch durch ihre Anwesenheit, überwacht.  Das Gelände diente später als Zufluchtsort für den letzten Mogulherrscher Indiens, Bahadur Shah II. (1775–1862), den die Briten im Jahr 1857 an diesem Ort gefangen nahmen.

                        

Obwohl es von  Besuchern nur so wimmelt, verläuft sich die Masse recht schnell auf dem Gelände. Es ist ruhig und ich bin wirklich beeindruckt von dem Gefühl des Friedens mitten in der wuseligen Hauptstadt Indiens. Doch diese Ruhe verlassen wir für den Marktbesuch in Central Delhi. Auch hier nutzen wir den Fahrdienst Uber und bemerken schnell, dass wir so mitten im Leben angekommen sind. Es ist fast unmöglich die Stassen zu passieren. Ein Meer von Gebrüll und Gehupe umgibt das Auto. Gemischt mit Motorrädern, Fußgängern, Auto – und Fahrradrikschen, kleineren LKWs und Zugtieren tummeln sich auf der Straße. Ein Durchkommen nur im Schneckentempo, mit viel Geduld, Aufmerksamkeit und Hupen möglich, lässt mich das wahre Leben hier anschauen. Auch ist der Linksverkehr noch etwas ungewöhnlich, aber davon kann auf diesen Straßen hier nicht die Rede sein. Alle fahren wie sie wollen bzw. wo Platz ist, links und rechts schießen immer wieder Roller mit lautem Signalton aus den schmalen Gassen und drängeln sich zwischen die sowie so schon viel zu dicht fahrenden Fortbewegungsmittel.

 

      

Wir steigen aus, einige etwas verunsichert, ich total fasziniert von dem Treiben auf den Straßen, und befinden uns in einer andern Welt. Es ist sehr schmutzig, laut und auch die Gerüche von Abfall, Urin, Abgasen, Essen und anderem, schwer nennbaren Dingen machen sich breit. Auf den Oberleitungen laufen Affen umher und es gibt für alles, was man sich vorstellen, oder eben auch nicht vorstellen kann, Geschäfte. Essen und indische Kleider, danach suchen wir. Nach einigem Durchfragen und einer wilden Fahrt auf der Fahrradrikscha befinden wir uns mitten zwischen glitzernden Saris und verblüfften Gesichtern.

Diesem Gewusel entfliehen wir mit der Metro und Begeben uns auf einen Markt, speziell für Kleider. Inzwischen ist es dunkel, die Stimmung kommt mir zivilisierter vor und wir verköstigen uns, nach erfolgloser Kleidersuche, mit Streetfood.

Mit der Uberfahrt zurück ins Hostel und der bevorstehenden Nacht endet der Aufenthalt in Delhi. Unglaublich viele Eindrücke, große Unterschiede und verschiedene Gefühle, die ich auf mich wirken lasse. Doch frei von Erwartungen und ohne großartige Planung kann ich mich am Besten auf etwas Neues einlassen und so wäre ich persönlich, auch wenn ich längst nicht alles sehen konnte, wie auch in der kurzen Zeit, traurig, dieser Stadt keine Zeit zu schenken.