Jaipur, Pushkar, Jaiselmer und Jodpuhr

Jaipur, Pushkar, Jaiselmer und Jodpuhr

17. November 2019 0 Von Jasmin

Jaipur, eine interessante Stadt, reich an Tempeln und sehr schönen Bauten. Da weiß ich nicht  recht, wo ich anfangen soll. Aber auch Pushkar, Jaiselmer und Jodhpur haben einiges zu bieten. Natürlich könnte ich wieder über all die Gebäude berichten, wie Beispielsweise den City Palace in Jaipur, wo wir sagenhaft schöne Architektur bewunderten, in Pushkar das Kamel Festival, in Jaiselmer die Wüste und unser Ausflug zu den Royal Cenotaphs und auch Jodhpur, die blaue Stadt hat uns einiges gezeigt, aber was es doch eigentlich ausmacht sind diese unvergesslichen Erlebnisse, jene, die unter die Haut gehen und damit unvergesslich bleiben.

Ich möchte damit nicht sagen, dass mich die Besichtigungen kalt lassen, es ist ein Zauber, der einen umgibt, wenn man davor steht, es anfassen kann und sich bewusst macht, was für Arbeit hinter all dem steckt, wie wichtig es für die Bevölkerung ist. Aber im Leben sammelt man viele Eindrücke, macht Fotos und blickt auf Erlebtes zurück. Man fängt an zu vergleichen. Doch wenn etwas einen so richtig berührt, da wird kein Bild benötigt um sich zu erinnern, denn es ist tief im Herzen verankert.

So habe ich, neben all’ den herrlichen Sehenswürdigkeiten,  wieder einen Moment fürs Herz mitgenommen und zwar in Jaipur.

Der Tuck Tuck Fahrer hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Schon am ersten Tag bietet er uns für den Folgetag an, zwei Tagen am Stück ist er ein treuer Begleiter, seiner Familie einen Besuch abzustatten und uns sein zu Hause zu zeigen.

Ganz stolz und in gebrochenem English erzählt er uns, dass seine Frau den besten Chai kocht und wir unbedingt das Omelett probieren müssen.

So machen wir uns nach all den Sehenswürdigkeiten auf den Weg, tief ins Dorf hinein, an Müllbergen und provisorischen Häusern vorbei, die Straße gleicht einem Feldweg mit unzähligen Löchern und Steinen. Immer wieder umfahren wir Kühe, Hunde oder Kinder, die spielen. Mir geht durch den Kopf, dass die Einheimischen sich kein Bild von unserem Leben machen können und dies auch gut so sei, denn sonst würde die Freude und der Stolz sicher ein Stück verloren gehen, mit dem wir immer weiter in das Dorfleben eintauchen dürfen. Mustapher, so heißt unser Fahrer, steuert sein Fahrzeug zielsicher an Mauern und bunten Straßenständen vorbei. Hinter einer weitern Kurve stoppen wir, steigen aus und gehen durch ein Eisentor, die Haustür. Wir werden in einen Hof geführt. Zwei Frauen sitzen auf dem Boden und verzieren Armringe. Sie werden uns als seine Frau und Schwägerin vorgestellt. Mit einem Lächeln begrüßen wir einander, die Arbeit wird bewundert und ein Gespräch mit Händen und Füßen beginnt. Es wird so viel Gelacht und aus dem kleinen, ganz einfachen Haus, kommen uns zwei Kinder entgegen. Der ganze Stolz von Mustaphers Bruder und seiner Frau. Sie stellen vier Plastikstühle für uns in eine Reihe und zeigen uns alles. Es gibt für acht Familienmitglieder drei Zimmer, zwei Küchen, eine Toilette und eine Dusche. Die Zimmer sind spärlich bis gar nicht eingerichtet, meist befinden sich Betten und einige Kleidungstücke im Raum. Wichtig, so erklären uns die Kinder, ist ein Fernsehapparat.  Aber auch eine Näh-und Waschmaschine können wir vorfinden. Nach der Hausbesichtigung nehmen wir Platz. Im Dorf spricht sich Besuch von Touristen wohl schnell rum, denn in kürzester Zeit gesellen sich Nachbarn und andere Dorfmitglieder zu uns. Neugierig werden wir begrüßt und angestarrt. Natürlich werden dann ersteinmal einige Fotos gemacht, die Kinder fassen uns an und ein Lächeln verbindet auch hier wieder sehr.

Nach und nach gehen einige der Nachbarn nach Hause und andere kommen hinzu. Wir werden in das Innere des Hauses gebeten. Es herrscht eine so schöne Atmosphäre und ich kann gar nicht beschreiben wie sehr diese Einfachheit und liebevolle Art mein Herz berührt. Alle lachen, sitzen zusammen gequetscht auf dem Bett und reden wild durcheinander. Wir haben wieder auf unseren Stühlen Platz genommen, die für uns ins Zimmer getragen wurden. Nachdem sich noch ein paar weitere Nachbarkinder dazugesellen, bekommen wir den angepriesenen Chai serviert. Und was soll ich sagen?! Nach all der Erfahrung und den zahlreichen Chai Tees im laufe der Zeit, hat Mustapha nicht übertrieben. Nirgendwo in Indien hatten wir je wieder einen Chai wie diesen. Und auch das Omelett kann was. So sitzen wir da, unterhalten uns, machen Quatsch mit den Kindern und lachen aus tiefstem Herzen. So eine wunderbare Erfahrung, die sich für immer in unserem Herzen niederlassen wird. Doch auch die schönsten Momente finden ein Ende und so verabschieden wir uns nach einigen Stunden und dem wundervollen Nachmittag. Durch diese Zusammenkunft werde ich Jaipur nie vergessen (noch heute, 6 Wochen später haben wir über WhatsApp Kontakt zu Mustapher).

   

 

Doch da gibt es drei Orte in dieser Stadt, die für mich einen besonderen Zauber haben.

Der Tempel in Monkey Town. So ein friedvoller und schöner Ort, der kaum besucht ist. Vielleicht kommt dieses magische Gefühl von der umgebenen Ruhe, dem Gefühl alles für sich allein zu haben und einfach nur genießen zu können und vollkommen ungestört zu sein.

Vorher habe ich noch nie davon gehört, aber wir besuchen einen Tempel, wo sich die Frauen waschen, es eine heilige Kuh mit 5 Beinen gibt und wir gesegnet werden.

Unglaublich, diese bunten Gewänder im Wasser zu sehen, denn nur wenige, eher die jungen Inderinnen, legen ihren Sari ab. Es herrscht eine ausgelassene und fröhliche Stimmung und auch wenn es für mich persönlich unvorstellbar ist, sich in diesem Wasser, was doch sehr schmutzig aussieht zu waschen, genieße ich dieses Erlebnis.

Auf dem Rückweg besichtigen wir einen Tempel. Ein älterer Mann kommt auf uns zu , erklärt uns einiges und legt uns einen rot gelben Faden um das Handgelenk. Danach bekommen wir einen roten Punkt auf die Stirn und werden gesegnet. Dies ist etwas so wertvolles, was ich mitnehme: egal wer du bist, egal wie du aussiehst oder wo du herkommst, du bist willkommen und ein Teil der Gemeinschaft.

  

Durch ein Gespräch mit einem jungen Inder, der gerne fotografiert, bin ich auf den Circel Garden aufmerksam geworden. Ein Park hinter einem Straßenkreisel, der sich als wirkliches Juwel und gar nicht touristisch herausstellt. Das Highlight ist tatsächlich das Eingangstor. Man betritt ein offenes Gebäude mit zahlreichen Rundbögen in den schönsten Farben und Verzierungen.

        

Nach all den schönen Gebäuden, ja gar Palästen, geht es weiter. Zum Kamel Festival nach Pushkar. Schon unser Vorhaben, spontan ein Zimmer zu bekommen ist eine Herausforderung, denn wir sind nicht bereit Unmengen an Geld zu zahlen. Die Preise liegen extrem über dem Durchschnitt und so ist es im Nachhinein betrachtet nicht verwunderlich, dass sich unser Schnäppchen als nicht all zu gut herausstellt. Aber es war ok. Leider gleicht das besagte Kamel Festival eher einem Rummel und wir kommen uns vor wie auf einer rieseigen Kirmes. Überfüllt und nicht unseren Vorstellungen entsprechend, welche man sich ja doch macht, wenn etwas groß angepriesen wird, verbringen wir drei Tage mit Bummeln, in netten Cafés sitzen, gutem Essen, tollen Begegnungen und viel Zeit mit Gesellschaftsspielen. Der Abend ist gefüllt mit dem Bühnenprogramm des Festivals und die Meinungen gehen auseinander. Da die Rede von einer Braut und Bräutigam Show ist, sind wir gespannt auf das Programm und finden uns zwischen den Einheimischen vor der Bühne ein. Es stellt sich heraus, dass der Humor ein ganz anderer ist und so gucken wir zu, wie Touristen in netten Gewändern zurecht gemacht auf die Bühne komme um sich dem Publikum zu präsentieren. Im nachhinein sind wir über den Sinn auch informiert, da wir unserm Vermieter auf die Show ansprechen und er uns erklärt, dass es zur Unterhaltung der Einheimischen dient. Die ist dem Veranstalter gelungen, denn das Publikum erfreut sich an der Darbietung. Aber auch sehen wir traditionelle Tänze und ein Konzert eines Superstars hier in Indien. Es ist zwar ein anderes Land, es herrschen unterschiedliche Wertvorstellungen und auch der Glaube ist andersartig, doch bei dem Konzert ist gut zu erkennen, dass wir Menschen alles aus einem Ursprung stammen. Es wird gefeiert und gelacht, getanzt und applaudiert, geschrien und gefilmt was das Zeug hält. Auch wenn es eine Abtrennung für Männer und Frauen gibt, auch wenn der VIP Bereich sehr leer ist und nur wenige, dafür aber dann die Poser vom Dienst, sich dort aufhalten. Für mich sehr amüsant, denn ich stehe direkt an der Abtrennung und ein junger Inder versucht meine Aufmerksamkeit zu gewinnen, tuschelt mit seinen Freunden, guckt immer rüber und als ich ihn freundlich anlächle, hüpft er rum und guckt immer wieder verlegen zurück. Am Ende kommt er dem „Zaun“ immer näher, aber ich drehe mich um und suche das Weite.

Leider machen wir an diesem Abend unsere erste, aber auch letzte, unschöne Erfahrung mit den indischen Männern. Denn nach Ende des Konzertes bildet sich eine Menschentraube und alle wollen die Open Air Arena gleichzeitig verlassen. Wir drängeln uns an der Seite vorbei, auf der Suche nach etwas zu Essen abends noch schnell durch die Gassen stellen wir fest, dass es überall von Männergruppen nur so wimmelt. Sie kommen uns unangenehm nah, wollen uns an den Haaren und Armen anfassen und akzeptieren ein Nein nur mühsam. Die späte Stunde und der Alkohol verleihen ihnen wohl etwas zu viel Mut und so beschließen wir, dass Weite zu suchen, uns aus dieser unangenehmen Situation zu befreien. Es ist nichts passiert und kam auch zu keinen Übergriffen, doch ein ungutes Gefühl macht sich breit und dem kann man ausweichen, indem man auf sein Bauchgefühl hört und einfach reiß aus nimmt.

    

Mit all diesen Erfahrung, auch wenn einige sehr ernüchternd sind, und einige, kleine, Mitbringsel mehr im Rucksack macht sich die Vorfreude auf Jaiselmer breit.

Wir treten unsere letzte gemeinsame Busfahrt in dieser Konstellation an und erreichen am frühen morgen unser nächstes  Ziel. Eine Stadtmauer der Extralative erstreckt sich vor unseren Augen, in goldgelben Sandfarben ragt auf einem Hügel eine richtige Festung. Jaiselmer.

Es ist frisch und die Müdigkeit macht diesen Zustand nicht besser. Aber wir werden mit Decke auf der Dachterrasse empfangen, bekommen einen warmen Chai serviert und können zügig unser Zimmer beziehen.

Nach dem wir Frühstück in der Stadtmauer hatten und einen kleinen Spaziergang durch die Gassen machen, bereiten wir uns am frühen Nachmittag für die Wüstensafari vor.

Ein offener Jeep steht vor der Tür und der Fahrer signalisiert uns, einzusteigen. Eine Fahrt aus der Stadt hinaus, durch Steppenlandschaft und mit ordentlich Wind, der uns um die Nase weht, führt uns mitten ins Nirgendwo. Wir halten, ein älterer Mann lädt einige Dinge in den Jeep und springt auf. Wir sind kurz verwundert, steht da, zwischen all dem Gestrüpp eine Person, die Zielsicher abgeholt wurde. Es stellt sich heraus, das dies unser Koch für den Abend ist. Denn uns erwartet ein Abendessen unterm Sternenhimmel, so nehmen wir es an. Dass alles anders kommt als erwartet, lest ihr gleich.

Zurück zur Wüstentour. Nach einer weiteren Fahrtstrecke, insgesamt fahren wir so um die 2,5 Stunden, sind wir da. Stolz halten wir und uns wird die Wüste angepriesen. Allerdings ist Wüste wahrhaftig das falsche Wort. Vor uns liegen hohe Sanddünen, eingebettet in kahle Natur. „go and explore the desert. We will preparing the Dinner . You can be back at 6!“ ist die Ansage unseres Guides. Wir fragen uns, wie zwei Stunden auf diesen beschaulichen Dünen reichen sollen. Spaß bei Seite. Das Gefühl barfuß in diesen Sand einzutauchen, warm und fein, ist schon etwas Besonderes. Weicher, angenehmer Sand legt sich um unsere Füße und so spazieren wir auf und ab. Es gibt nicht viel, was einen ablenken kann. Die Ruhe um einen herum wird von Hundebellen oder Vogelgezwitscher unterbrochen. Und dann von lauten Rufen, wir mögen bitte zurück kommen, das Essen ist soweit.

Der Himmel färbt sich in zarten Rosatönen und somit verabschiedet sich die Sonne, es wird dunkler und dichte Wolken ziehen auf.

An einem windgeschützten Platz, einem Busch, brutzelt heißes Öl in einem Topf und uns werden bunte Chips gereicht, die in dem Öl erst frittiert werden und vorher rohen Nudeln gleichen. Ich habe in meinem Leben wohl noch nie so farbenfrohe Chips gesehen oder gegessen. Die Stimmung ist ausgelassen, wir lachen, bekommen die Kochvorgänge erklärt du reden über das Leben, das einfache Leben was die Menschen hier führen. So erfahren wir von dem Familienstand der beiden Männer und dass einer von ihnen täglich viele km zu Fuß durch die Wüste zurücklegt. Inmitten der Gespräche fängt es an zu Donnern und Blitze erhellen den immer dunkler werdenden Himmel, bis es auf einmal anfängt zu regnen. Nicht wie wir es kennen als kleiner Schauer, sondern enorm viel Wasser in extrem kurzer Zeit, dass da auf uns einprasselt. Wir flüchten in den Jeep, sind jedoch von oben bis unten durchnässt. So sitzen wir nun da, warten dass der Regen nachlässt, denn ein Losfahren ist nicht möglich… Doch dann, der Motor startet und es geht zurück. Mit unseren nassen Klamotten durch die anbrechende Nacht, der Wind scheint kälter zu sein und wir alle freue uns auf eine warme Dusche und das Bett. Wie gut, dass keine Übernachtung in der Wüste in unserem Plan inbegriffen war. Im Hostel angekommen, nutzen wir jeglichen Platz um unsere Kleidung zu trocknen, es ist spät in der Nacht, der Regen bahnt sich seinen Weg durch jede Ritze und läuft sogar in unserem Zimmer die Wände runter. Andere Länder, andere Sitten. Denn keiner macht sich etwas daraus….

Nun hat unsere liebe Carina die Gruppe verlassen und ist auf dem Weg nach Hause.

Wir schlendern durch das Fort und besichtigen die ein oder andere Sehenswürdigkeit, organisieren die Weiterreise am folgenden Tag und schließen den Aufenthalt hier mit dem Besuch der Royal Cenotaphs, eine alte Tempelanlage, etwas außerhalb gelegen, aber wunderschön, ab. Besonders in der Abendsonne!

Befinden wir uns nun in Jodpur, ein ungeplanter, aber notwendiger Zwischenstopp, um unser nächstes Ziel zu erreichen. Hier wollen wir für eine Nacht zur Überbrückung unterkommen, landen ein richtigen Glücksgriff mit unserem Hostel und verbringen am Ende 3 Tage dort, da die Tickets für den  Anschlusszug nur schwer zu bekommen sind…

Die Zeit vertreiben wir uns mit einer Walking-Tour durch die sogenannte blaue Stadt, mit gemütlichem Zusammensitzen und Essen. Auch besichtigen wir einen weiteren Tempel, den Jaswant Thada, der sich schön und ruhig, nicht überlaufen, etwas außerhalb der Stadt befindet, wir schlendern über den Markt beim Clock Tower und bereiten uns auf die kommende Reise vor. Die erste Zugfahrt für uns in Indien.

Clock Tower

Jaswant Thada